150 Jahre Turnen: Die Abteilung ist die Keimzelle des TV Ebern

Training ohne festes Domizil

Training ohne festes Domizil

Die Turnsparte des TV Ebern ist die Gründungsabteilung des Vereins. Sie hat in der 150-jährigen Geschichte oft Probleme, einen Übungsort zu finden.

Ebern – 1863 haben 23 Turnfreunde und 30 Turner den Turnverein Ebern ins Leben gerufen. Das war der Beginn des heute über 1400 Mitglieder zählenden Vereins. Anfangs war es schwierig, einen geeigneten Turnplatz zu finden, denn der Turnplatz an der Au, zwischen Ebern und Sandhof, auf dem 1890 das zehnte Südoberfränkische Gauturnfest stattfand, war nicht käuflich zu erwerben. In den folgenden Jahren wurde in der heutigen Loßbergsiedlung, auf dem Zenthügel, und später außerhalb der südlichen Stadtmauer zwischen Diebsturm und Grauturm auf einem 20 mal 60 Meter großen Turnplatz geübt.

150 Jahre TV Ebern - Turner bei ADAC Motor-Sportfest 1950

150 Jahre TV Ebern – Turner bei ADAC Motor-Sportfest 1950

Während des Zweiten Weltkrieges konnte der Verein entgegen bisheriger Erkenntnisse den Turnbetrieb aufrechterhalten. Die Turner trainierten unter dem Gärtnermeister Heinrich Schmitt im Streitsgarten, der schon vor der Jahrhundertwende als Winterlokal diente. Ab 1946 wurde auch diese Trainingsmöglichkeit zunichte gemacht, denn der Streitsgarten wurde für andere Zwecke genutzt. Deshalb entstanden erste Pläne für den Bau einer eigenen Turnhalle, die doppelstöckig und mit Kinobetrieb sein sollte. Doch die Währungsreform von 1948 machte diesen Plänen wieder einen Strich durch die Rechnung. Die Turner waren gezwungen, auf den alten Turnplatz, zwischen Diebsturm und Grauturm, bei der heutigen Raiffeisenbank, auszuweichen.

Als 1958 der Streitsgarten endgültig abgerissen wurde, standen die Turner wieder ohne Bleibe dar. Die Trainingsgeräte brachten sie vorübergehend im Kreisjugendheim am Sportplatz unter. Dort konnten die Sportler auch eine Grube ausheben und ein Reck zum Trainieren aufstellen. Die Turner installierten sogar eine Lampe, um den abendlichen Übungsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Bevor die Dreifachturnhalle am Gymnasium 1977 eingeweiht wurde, hielten die Turner ihre Übungsstunden teilweise in der angemieteten Turnhalle in Rentweinsdorf und ab 1966 in der ersten Eberner Schulturnhalle ab. Heute sind die meisten Trainingsgruppen in der Städtischen Turnhalle bei der Grundschule. Die Frauen und Senioren trainieren hingegen im Sportheim. Obwohl der TV Ebern ein relativ kleiner Verein ist, erreichte er doch einige größere Erfolge, beispielsweise 1928 den ersten Platz im Mannschaftswettkampf beim bayerischen Landesturnfest in Nürnberg. Zudem erreichte Werner Toldrian 1962 in einem Ländervergleichskampf zwischen Baden und Bayern im Fünfkampf für Jugendliche den zweiten Platz. Auch Ursula Müller kam in ihrer Jugend über die Bezirksebene hinaus: 1980 wurde sie bayerische Vizemeisterin im Turnjugendvierkampf in Bayreuth. 1965 erhielt Heinrich Schmitt zu seinem 65. Geburtstag den Deutschen Turnbrief und damit die höchste Auszeichnung im Turnsport. Er wurde auch 1978 beim deutschen Turnfest in Hannover besonders für sein hohes Alter geehrt. Mit 88 Jahren war der Eberner der älteste aktive Teilnehmer.

Über die anfänglichen Schwierigkeiten, einen geeignet Übungsort zu finden, ist der TV Ebern längst hinweg. Die Turnabteilung ist auch mit Gerätschaften gut ausgestattet. In letzter Zeit wurde ein Sprungtisch, der dringend notwendig zum Üben für die Wettkämpfe war, angeschafft. „Wir sind sehr dankbar, der Sprungtisch ist echt toll“, freut sich Abteilungsleiterin Ursula Werner.

„Die Stadt hat mehr als 1000 Euro für das insgesamt fast 3000 Euro teure Gerät spendiert“, teilt sie weiter mit. Sonst wird die Anschaffung von neuen Geräten von der Wettkampfgruppe unterstützt, die zusätzlich zum Jahresbeitrag einen Spartenbeitrag von zirka 20 Euro im Jahr einzahlt.

Sport erfordert einen langen Atem

Eine Doppelspitze leitet die Turnabteilung. Die Wettkampfmannschaften erreichen Erfolge im Bezirk Unterfranken. Höhepunkt im Jubiläumsjahr ist die Turngala im Oktober.

„Turnen ist so umfassend wie keine andere Sportart“, findet Marc Waiblinger, der Abteilungsleiter Turnen beim TV Ebern. Denn dafür werde eine extreme Koordination und ein hoher muskulärer Anspruch benötigt, erklärt er weiter. Vor allem für Kinder sei Turnen eine sehr gute Sportart, denn so wird den Kindern Körperbeherrschung nahe gebracht.

Turnerinnen beim Sommerfest des TV Ebern 2012

Die jungen Turnerinnen des TV Ebern sind sehr erfolgreich.

Die Grundlagen, die mit dem Sport im Kindesalter gelegt werden, können im Alter nicht mehr aufgeholt werden. Der Sport fördere zum Beispiel das Knochenwachstum. Allerdings ist Turnen „aber auch schwierig, und die Erfolge sind nicht so schnell sichtbar“, so der Abteilungsleiter weiter.

Seit 2001 ist der aus der Nähe von Tübingen stammende Abteilungsleiter beim TV mit dabei. Mit Ursula Werner teilt er sich den Abteilungsleiterposten. „Ich mache mehr das Offizielle und sie ist mehr für die Organisation zuständig. Da ist schon einiges zu tun“, erläutert Waiblinger die Arbeitsteilung.

Insgesamt gibt es zehn Trainingsgruppen, vom Mutter-Kind-Turnen bis zur funktionellen Gymnastik für Ältere. „Da sind Frauen bis über 80 Jahre dabei, aber als Seniorengymnastik wollen die nicht bezeichnet werden“, lacht Ursula Werner. Die Mädchenwettkampfmannschaft könnte mit ihren 30 Teilnehmerinnen auch noch größer werden, doch den Turnern mangelt es an Helfern: „Turnen ist eine gefährliche Sportart, es muss immer Hilfestellung gegeben werden“, erklärt sie weiter. Die jugendlichen Turnerinnen engagieren sich zwar schon in der Abteilung, doch oft hören viele wieder damit auf, weil sie schulisch stark eingebunden sind. Dennoch könnte die Sparte mehr Übungsleiter gebrauchen, sagt die Abteilungsleiterin.

Jeweils zweimal im Jahr nehmen die Turner an Einzel- und Mannschaftswettbewerben im Turngau Schweinfurt-Haßberge nach Jahrgängen teil. Dafür müssen auch immer Kampfrichter gestellt werden, und die zu finden, ist oft schwer, da nur wenige den Übungsschein gemacht haben. Die Mädchen schaffen es bei diesen Wettkämpfen oft zu den unterfränkischen Meisterschaften. Wer auf höhere Ebenen kommen will, muss den Verein wechseln, denn „mit zweimal die Woche Training kommt man einfach nicht an die Leistung von Würzburg oder Aschaffenburg ran, die fünf, sechs Mal die Woche trainieren.“

Turnen für Jungen gibt es nur im Grundschulbereich, denn diese wandern später oft zum Fußball ab. Laut Waiblinger ist es auch oft schwierig, eine Mannschaft zusammenzustellen, denn es müssen mindestens vier Jungen aus einer Altersklasse, die zwei Jahrgänge umfasst, eine Mannschaft bilden. Aber dieses Problem gäbe es im gesamten Gau. Zudem hätten es die Jungen auch noch schwieriger als die Mädchen, denn sie müssen sechs Übungen vorturnen. Die Mädchen hingegen haben nur vier Disziplinen in Schwebebalken, Stufenbarren, Sprung und Boden zu bewältigen. In diesem Jahr fiebert die Abteilung der großen Turngala anlässlich des Jubiläums, im Oktober entgegen.

Trainingszeiten

Wer hat Lust aufs Turnen bekommen? Der TV Ebern lädt Interessierte gerne ein. Die Trainingszeiten der Turner:

In der städtischen Turnhalle

  • Mutter-Kind-Turnen: freitags von 15.30 bis 16.15 Uhr
  • Kleinkinderturnen (drei bis sechs Jahre): freitags von 16.15 bis 17 Uhr
  • Mädchen (1. bis 4. Klasse): montags von 15.15 bis 16.30 Uhr
  • Jungen (ab sechs Jahre): freitags von 17.00 Uhr bis 18.30 Uhr
  • Männergymnastik: freitags ab 20 Uhr

Im Sportheim

  • Frauengymnastik (ab circa 50 Jahre): mittwochs 19.30 bis 21 Uhr
  • Funktionelle Gymnastik für Ältere: Montagmorgen

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 25.02.2013 der Neuen Presse; Artikel von Kristin Müller

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