150 Jahre Turnen: Sport mit hohem Anspruch

Von wegen nur für Mädchen: Der TV Ebern bietet auch Jungenturnen und Männergymnastik in einer Abteilung an.

TV Ebern Turnen - Matthias Horn beim Bock-Sprung

TV Ebern Turnen – Matthias Horn beim Bock-Sprung

Jeden Freitagabend gehört die städtische Turnhalle in Ebern den männlichen Turnen des TV Ebern: Dann zeigen sie, dass beim Turnen, neben Muskelkraft, vor allem der Kopf arbeiten muss. Bei der Männergymnastik geht es höchst diszipliniert zu.

Etwa 15 Jungen trainiert der Abteilungsleiter der Turnen Mark Waiblinger jeden Freitag mit seiner Frau Stefanie und der Übungsleiterin Trixi Neubauer. Die jungen Athleten im Alter von sechs bis zehn Jahren sind dabei höchst konzentriert. „Das Jungenturnen leite ich schon seit 2002. Als ich jung war, war ich turnerisch selbst sehr aktiv“, erzählt Mark Waiblinger über seine Sportkarriere. Bei dem Baden-Württemberger liegt das Turner-Gen in der Familie. Schon sein Großvater war Turner. Mittlerweile engagiert sich Waiblinger über die Turnabteilung des TV Ebern hinaus als Fachwart für Geräteturnen im Turngau Schweinfurt-Haßberge. Und selbstverständlich: Sein Sohn turnt auch.

Jakob Waiblinger besucht die 3. Klasse in der Grundschule Rentweinsdorf. Seine Hobbys sind Fußball, Turnen, Basketball und Schwimmen. Für alle Sportarten, außer Fußball, besucht er ein wöchentliches Training. Aber das Turnen steht in seinem Freizeitkalender an erster Stelle. Und den Vorteil sieht er: „Dadurch habe ich einfach bessere Noten im Schulsport“, berichtet der Junge schmunzelnd. Freude und Spaß verbindet er mit dem Hobby, vor allem auch weil viele seiner Freunde jeden Freitag mit beim Training sind. Fragt man ihn nach seinem bisher größten Erfolg, kann er sich noch genau an das Turnfest in Gochsheim erinnern, bei dem er eine Goldmedaille gewonnen hat.

Junge Turner des TV Ebern

Junge Turner des TV Ebern – Früh übt sich, was ein großer Turner werden will. Die jungen Turner halten bereits früh Disziplin.

Nach etwa zwei Jahren Training können die Jungen das erste Mal an einem Wettkampf teilnehmen, erklärt Trainer Mark Waiblinger. Das hängt aber auch sehr von den Fähigkeiten der Kinder ab. Bei Wettkämpfen turnen die Jungen an sechs Geräten vor: Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck. „Geräteturnen ist sehr anspruchsvoll“, meint Waiblinger. „Eine gewisse Ausdauer und ein natürliches Körpergefühl müssen vorhanden sein, denn es lässt sich nicht alles durch das Training kompensieren.“ Die Konzentration, gepaart mit Schweißperlen, ist den Jungen vor dem Sprung auf das Pferd oder an die Ringe ins Gesicht geschrieben.

Dass Turnen dem ganzen Körper gut tut, sämtliche Muskulaturen und auch die Koordinationsfähigkeit trainiert, da ist sich Mark Waiblinger mit Friedhelm Kern einig. Der Eberner, der mittlerweile auch seinen 70. Geburtstag feiern durfte, leitet seit gut sieben Jahren die Männergymnastik des TV Ebern. Damals hat Friedhelm Kern die Gruppe mit sechs aktiven Turnern übernommen. Heute bewegen sich mehr als zehn Männer von 40 bis 90 Jahren freitags in der Turnhalle. Der Älteste und einer der Fittesten hat im letzten Jahr die Turnschuhe aus persönlichen Gründen abgelegt.

„Als ich früher in Eyrichshof in die Schule ging, da gab es noch kein Turnen. Wir haben nur Völkerball gespielt. Und wenn wir mal einen Dauerlauf machen mussten, da sind wir reihenweise umgefallen“, erinnert sich der aktive Sportler und lacht dabei. Als Kraftfahrzeugmechanikermeister hatte er in seinem Berufsleben viel zu tun, aber die Turnstunde freitags war ihm immer wichtig. Dafür hat er dann auch schon den einen oder anderen Termin abgesagt. Seit 47 Jahren ist er jetzt Mitglied in der Turnabteilung des TV Ebern.

Reife Männer des TV Ebern Turnen

Die reifen Männer der Turnabteilung im TV Ebern treffen sich bis heute regelmäßig zum Training.

Geturnt hat er schon unter Alfons Müller und Josef Schmitt-Zehender. Auch Heinrich Schmitt und Toni Meißner sind Personen, deren Namen genannt werden, wenn über die Turnervergangenheit in Ebern gesprochen wird. Heinrich Schmitt war viele Jahre lang Bayerns ältester Turner und hat mit 94 Jahren noch das Schwimmen gelernt. „Der Meißners Toni hat bei uns die Ordnung eingeführt“, so Friedhelm Kern. Und das ist den Männern sehr wichtig. Denn Sport ist Sport, und geratscht wird beim gemütlichen Beisammensein nach der Turnstunde.

Aufgrund des Alters und der hohen Verletzungsgefahr üben die Männer nicht mehr an Geräten. Die Turnstunde beginnt mit einer Warmlaufeinheit, die Bernhard Diterich leitet. Der ehemalige Lehrer besitzt einen Übungsleiterschein und hat früher auch schon Sportkurse gegeben. Die Gymnastikeinheit gestalten dann Friedhelm Kern und Max Schmitt. Letzterer bringt sein Fachwissen aus dem Sportstudio mit, und Friedhelm Kern hat seine Übungskompetenz mit Theraband und Gymnastikball bei einem Kuraufenthalt erlangt. Zum Abschluss werden einige Runden Brennball absolviert.

Was Friedhelm Kern immer wieder motiviert, freitags in die Turnklamotten zu schlüpfen, sind zwei Dinge: die Gesundheit und die Kameradschaft. Seitdem er Gymnastik macht, hat er keine Kopfschmerzen mehr. Der Zusammenhalt in der Gruppe ist sehr gut und ermöglicht gesellschaftliche Aktivitäten außerhalb der Gymnastikstunde. Achja, und wahrscheinlich das Wichtigste: „Wenn man vom Turnen kommt, ist man immer ganz entspannt.“

Trainingstermine

Wer Lust auf Bewegung in der Gruppe bekommen hat, ist zu folgenden Trainingseinheiten eingeladen:

  • Jungenturnen, freitags, 17 bis 18.30 Uhr, städtische Turnhalle
  • Männergymnastik, freitags, 20 bis 21.30 Uhr, in der städtischen Turnhalle

„Er hat einfach Spaß an der Sache“

Der achtjährige Raphael Mogath turnt seit mehr als zwei Jahren in der Gruppe von Mark Waiblinger beim TV Ebern. Seine Mutter, Michaela Mogath, ist begeistert von der Arbeit der Trainer.

Michaela Mogath im Interview zum Turnen beim TV Ebern

Michaela Mogath im Interview zum Turnen beim TV Ebern

Wie ist Ihr Sohn überhaupt zum Turnen gekommen?

Als Raphael etwa 2,5 Jahre alt war, haben wir eine andere Mama beim Spielplatz getroffen, deren Sohn beim Mutter-Kind-Turnen des TV Ebern war. Und seit diesem einen Freitagvormittag ist er dabei. Klar gibt es auch mal Tage, an denen er erst keine Lust hat, aber wenn er dann nach Hause kommt, dann war das Training immer wieder „klasse Mama“.

Das Turnen wird ja öfters als eine typische Mädchensportart dargestellt. Wie stehen Sie als Mutter dazu?

Ganz ehrlich, ich habe mir da noch nie so wirklich Gedanken drüber gemacht. Mein Sohn darf, wenn er möchte, auch mit Puppen oder Barbies spielen. Warum sollte er dann nicht auch turnen? Ich finde es toll, dass er seinen Körper so trainiert und die vielen Möglichkeiten nutzen kann, die der TV bietet. Klar kann man auch am Spielplatz turnen, aber das ist dann doch wieder ganz anders als an „echten Geräten“. Wenn ich nur daran denke, wie viel Panik ich selbst in der Schule vor dem Schwebebalken hatte. Ich glaube, Raphael lacht da nur drüber.

Was macht ihm in der Turnstunde am meisten Spaß?

Das Reck bereitet Raphael am meisten Freude.

Welche Wirkung hat das Turnen auf Ihren Sohn?

In erster Linie denke ich, hat er einfach Spaß an der Sache selbst und natürlich lernt er auch Disziplin und Teamgeist außerhalb vom Elternhaus und Schule kennen.

Wie bewerten Sie die Arbeit in der Turnabteilung des TV Ebern?

Ich finde es super, dass es die Turnabteilung gibt und sich die Trainer so engagieren. Ist ja schließlich keine Selbstverständlichkeit.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 25.03.2013 der Neuen Presse; Artikel von Johanna Eckert

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